Berlin: Aus weiter Ferne, so nah!

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International Wardrobe / Berlin – Heut gibt’s doch alles, dank Internet und Globalisierung. Das dachte sich auch die Stylistin Katharina Koppenwallner, als sie vor einigen Jahrern Lust auf Fashion fern von Mainstream und Catwalk hatte. „Ich war damals auf der Suche nach einer alten rumänischen, handbestickten Bluse“, erinnert sie sich. „Aber die war partout nicht zu kriegen.
Überhaupt war Katharina davon überzeugt, dass sie nicht die einzige Person auf diesem Planeten sein konnte, die ein Faible für geschmackvolle ethnische Kleider hat und diese gern in passendem Ambiente kaufen würde. „Aber bitte nicht in einem Öko-Hippie-Shop oder wahlweise einer abgehobenen Textilkunst-Galerie“ lacht sie.
Dennoch: Alles Suchen, Fragen und Herumtelefonieren führte zu keinem Ergebnis – und so blieb ihr nichts anderes übrig, als sich irgendwann persönlich aufzumachen nach Rumänien. In Transsylvanien, der Heimat von Vlad III, besser bekannt als Graf Dracula, wurde sie dann fündig: Hier gab es sie, die liebevoll und farbenfroh bestickten Blusen aus handgewebtem, weißen Baumwollstoff oder Leinen. Ein paar wunderschöne Exemplare kaufte sie gleich vor Ort ein und kam mit vollgepacktem Koffer wieder in Berlin an. „Circa zwei Jahre lang habe ich dann die Sachen in verschiedenen Galerien und Pop-up-Stores verkauft“, so Katharina Koppenwallner. So ging das eine Weile hin und her und weil die Nachfrage immer größer wurde, eröffnete sie im Herbst 2012 einen eigenen kleinen Laden in der Almstadtstraße, in unmittelbarer Nähe zur legendären Berliner Volksbühne.

Nomen est Omen

Der rund 70 qm große Store des International Wardrobe – Nomen est Omen – ist in zwei Räume aufgeteilt, die mit Absicht völlig unterschiedlich gestaltet sind. Ganz schlicht und puristisch geht’s los, denn ursprünglich waren die Räumlichkeiten als Galerie konzipiert. „Bis Ende 2014 werden wir dieses Zimmer noch schlichter und cooler gestalten; diesen Kontrast können die Kleider und Accessoires gut gebrauchen“, findet Katharina, während sie liebevoll die bunt bemalten Keramikteller aus Kalotaszeg, die handgetöpferten Husarenkrüge aus Mezötúr und die Krakauer Krippen arrangiert, die eher an farbenfrohe, mittelalterliche Architekturmodelle erinnern. Der hintere Raum ist dagegen gestaltet wie eine freundliche ungarische Bauernstube und in einem typischen osteuropäischen Pastellgrün gestrichen. Hier geht es besonders heimelig, fast kuschelig zu und man kann sich die fein bestickten Kissen, Blusen und Kleider idealerweise in ihrem Original-Umfeld vorstellen.

An Kunstfertigkeit nicht zu überbieten

Katharina Koppenwallner, die ursprünglich Kunstgeschichte, Publizistik und Ethnologie studiert hat, fühlt sich hier ganz in ihrem Element – und man merkt, hier hat sich jemand seinen ganz persönlichen Traum verwirklicht. Jedes Jahr bereist sie ein neues Land und bringt von dort wundersame Kleidungsstücke und Wohnaccessoires mit, die an Kunstfertigkeit nicht zu überbieten sind. Mittlerweile hat sich ihr Sortiment um filigran bestickte Täschchen der laotischen Hmong, Trachtenjacken aus handgewebtem Leinen der Yao aus Vietnam oder plissierte, bestickte Kleider aus Ungarn erweitert. Dabei lässt es sich die ambitionierte Ladenbesitzerin nicht nehmen, die einzelnen Produkte historisch zu erklären und detailliert auf Materialien und Herstellung einzugehen. Es ist ihr ganz wichtig zu betonen, dass hier nichts auf unseren westeuropäischen Geschmack „getrimmt“ wurde, sondern exakt so im International Wardrobe präsentiert wird, wie es auch im Ursprungsland geliebt und getragen wird.
Auf der hauseigenen Website samt angegliedertem Online Shop bleibt man also problemlos ein geraumes Weilchen hängen, weil die virtuelle Reise um den Fashion-Globus so erstaunlich und fantastisch erscheint, mit ihren vielen kleinen Geschichten und Bildern, die von Stil und traditionellem Handwerk erzählen, das uns einerseits fern und andererseits geschmacklich so nah erscheint.

Authentisch und individuell

Die vielen traditionellen Unikate sind allesamt liebevoll kuratiert und erhalten im International Wardrobe einen perfekten Rahmen. Austauschbare Ware von der Stange findet sich hier freilich nicht und die vielen kleinen Originale haben natürlich ihren Preis, der gemessen an Aufwand, Kunstfertigkeit und natürlich dem Transport nach Berlin dennoch lächerlich erscheint.
Auf die Frage nach ihrer Zielgruppe, stellt Katharina Koppenwallner fest, dass vorrangig Künstler und Designer gern in der Almstadtstraße vorbeischauen – wohl in dem Wissen, dass sie hier nicht nur Inspiration finden, sondern in Katharina auch auf eine Gleichgesinnte treffen, die ihren Sinn für authentische und individuelle Mode und Accessoires teilt. „Aber im Grunde ist für jeden was dabei“, strahlt sie und streicht liebevoll über ein appliziertes Tiermützchen für Kinder, das sie aus China mitgebracht hat. Nach Ostblock und Asien soll die nächste Reise übrigens weit über den Atlantik in Richtung Süd-Westen gehen. Katharina zieht’s in die Anden, nach Peru und Bolivien, mit womöglich einem kleinen Abstecher vorab über Marokko. Wer weiß, was sie von dort wieder für textile Überraschungen heimbringt …

International Wardrobe

Almstadtstrasse 50, 10119 Berlin
T +49 (0) 30 50177671
www.internationalwardrobe.de

Öffnungszeiten:
Do.-Sa. 12.00 – 19.00