H&M verfehlt Klassenziel

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Das war ja wohl nichts! Eine aktuelle Studie belegt, dass H&M sowie Marks&Spencer noch Lichtjahre davon entfernt sind, ihren Textilarbeitern/innen faire Löhne zu zahlen. Trotz geleisteter Versprechen. Im Gegensatz dazu läuft zumindest die PR-Maschinerie auf Hochtouren.

Setzen, Sechs! So lautet das aktuelle Urteil der Studie Do we buy it? von Labour behind the Label, einer Kampagne der Clean Clothes Campaign, die sich in erster Linie an die Textilgiganten H&M und Marks&Spencer richtet.
Wir erinnern uns: H&M hatte im November 2013 angekündigt, ein System zu etablieren, das seinen Arbeitern bis spätestens 2018 garantiert faire Löhne auszahlt. Mittlerweile ist es schließlich kein Geheimnis mehr, dass Arbeitsbedingungen und Löhne gerade in Billiglohnländern miserabel sind. Marks&Spencer wollte sogar bis 2015 faire Bezahlung etabliert haben.

Die Löhne können keine Existenz sichern

Do we buy it? hat nun nachgeprüft, wie weit die Maßnahmen inzwischen gediehen sind und was die Modehäuser bereits erreicht haben. Die Recherchen sind leider wenig positiv: So reichen die Löhne beispielsweise in Kambodscha trotz geringer Steigerung noch immer nicht aus, um einen minimalen Lebensstandard zu erreichen. Der durchschnittliche Nettolohn von umgerechnet 170 Euro im Monat genügt auch hier kaum, um die eigene Existenz zu sichern, geschweige denn eine Familie damit zu ernähren. Diese Summe läge nämlich bei rund 360 Euro, wie Arbeiterorganisationen in Asien berechnet haben.
Das nötige Geld werde, laut Do we buy it? zum Teil dennoch verdient, indem Überstunden und Wochenendarbeit auf dem Programm stünden, also im Grunde doppelt so viel gearbeitet werde, wie eigentlich vorgesehen. Als anderes Modell sind sogenannte Stücklöhne in vielen Textilfabriken beliebt, bei denen die Näherinnen bestimmte, meist utopische Stückzahlen erreichen müssen, um einen einigermaßen passablen Lohn nach Hause zu bringen. Das kann’s ja wohl nicht sein!

PR versus Wirklichkeit

Zusatzproblematik ist, dass sich mögliche Fortschritte kaum messen lassen, solange die jeweiligen Unternehmen die Öffentlichkeit nicht aufklären, wie sie ihre Ziele erreichen möchten, wo die Benchmarks liegen und welche Etappenziele man bereits in welchem Bereich vorlegen kann. Fleißig sind – und so lautet der Vorwurf – zumindest die populär gemachten PR-Maßnahmen, die besonders bei H&M ihre Wirkung in den Verkaufsländern zeigen. Drüber reden ohne wirklich zu handeln, scheint zumindest bei den Schweden ganz gut zu funktionieren. So heißt es in der Studie, dass „das Ausmaß der Kommunikation in den Verkaufsländern verglichen mit den Auswirkungen oder dem Umfang der ethischen Initiativen, auf die sie sich bezieht, unserer Meinung nach schockierend unproportional“ sei.
Die britische Kaufhauskette Marks&Spencer hat ihr Ziel definitiv verfehlt, H&M hat noch eine Frist bis zum Jahr 2018, die laut Do we buy it? nur mit extrem viel Aufwand erreicht werden kann. Also bitte weniger in pfiffige PR und mehr in Fairness & Co investieren!

Foto: Do we buy it?