Kaufen macht so viel Spaß!

„Ich kauf mir was“ – diese ironisch gemeinte Konsumhymne sang Herbert Grönemeier bereits im Jahr 1982. Heute ist der Hit aus der Dekade der gigantischen Schulterpolster und Fruit of the Loom-Shirts aktueller denn je.
Wenn wir den aktuellen Statistiken Glauben schenken dürfen, wandern pro Jahr und pro Person ganze 12 Kilo neue Klamotten in deutsche Kleiderschränke. So viel wiegen ungefähr 80 T-Shirts – die natürlich niemand ernsthaft braucht.
In Wahrheit ist’s mal hier eine neue Jeans, dort eine kuschelige Winterjacke und dann wieder ein nettes Sommer-Outfit – das wir natürlich auch alles nicht wirklich benötigen. Aber Kaufen macht eben glücklich wie Konsumforscher wissen. Die Gesellschaft definiert sich spätestens seit der Industrialisierung über ihre Einkäufe, die schon lange nicht mehr nur aus lebensnotwendigen Waren bestehen, sondern meist aus Luxusgütern. Also wird fleißig geshoppt bis die Kreditkarte glüht oder solange der Online Shop geöffnet hat – also 24 Stunden am Tag.

Bio oder fair – geht auch beides?



Was die wenigsten wissen: „Rund 99% der im Handel angebotenen Kleider sind nicht auf faire Weise hergestellt“, betont Maik Pflaum von der „Christlichen Initiative Romero“, die sich für ethischen Konsum und „saubere“ Kleidung einsetzt. Eher selten werden Löhne bezahlt, die wenigstens die Grundbedürfnisse der Näherin in China, Indien oder Vietnam befriedigen. Daran hat auch die Katastrophe von Bangladesh nichts geändert.

Wenn wir uns nun verstärkt auf die Suche nach Bio-Klamotten machen, ist das zunächst löblich, ändert aber nichts an der Tatsache, dass „bio“ eben nicht automatisch auch „fair“ bedeutet. Beispielsweise ist in Deutschland C&A der größte Verkäufer von Bekleidung aus Bio-Baumwolle. Immerhin 13% der dort angebotenen Ware sind „bio“. Ob die flotten T-Shirts und modischen Sommerhosen allerdings auch wirklich fair hergestellt wurden, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Aber dafür gibt’s ja Etiketten – oder? „Die sind nicht wirklich aussagekräftig“, weiß Gisela Burckhardt, die sich bereits seit Jahren für faire Löhne und Arbeitsbedingungen in Billiglohnländern einsetzt. „Lediglich die Materialzusammensetzung wird uns hier eindeutig mitgeteilt.” Aber über chemische Nachbehandlung und Finishings sagt das eingenähte Etikett rein gar nichts aus. Da wird  „bio“ am Ende manchmal sogar ins Gegenteil verkehrt.

Und ein vermeintlich beruhigendes „Made in Germany“ kann ebenso gut bedeuten, dass lediglich der letzte Knopf in Deutschland angenäht wurde, der Rest aber aus chinesischer Herstellung stammt. Auch ein hoher Preis muss nicht ein klarer Hinweis auf sogenannte „Fair Wear“ sein.

Wegweiser durch den Label-Dschungel



Wer es genauer wissen will, kann vor dem Einkauf bei Wegreen oder Rank a Brand nachschauen, wie fair oder öko das Lieblingslabel eigentlich ist. Allerdings werden auf diesen online Bewertungsportalen meist nur die wirklich großen Marken genauer unter die Lupe genommen, und der Konsument muss bei die verschiedenen Rankings genau studieren, um sie wirklich zu verstehen.

Zum Glück bietet die Textilbranche mittlerweile jede Menge Gütesiegel, nach denen man zusätzlich Ausschau halten kann. Aber Obacht: Auch hier gibt’s jede Menge Greenwashing-Stempel, die uns die faire oder ökologisch einwandfreie Herstellung nur vorgaukeln.

Einen kleinen Wegweiser durch den Label-Dschungel bei Textilien kann man bei der Christlichen Initiative Romero für nur einen Euro kaufen. Das kleine Format passt perfekt in jede Handtasche und ist bei der nächsten Shopping-Tour ein wirklich nützlicher Begleiter.

Eine weitere Alternative sind jede Menge kleinere Labels (zum Beispiel hier bei Fair-Fashion), die dank geringerer Stückzahlen, die hergestellt werden, oft verlässlich darüber Auskunft geben können, ob ihre Mode auch wirklich unter fairen Bedingungen und Bezahlung hergestellt wurde.

„Fair Wear – Wo kommen meine Kleider her?“ Mit diesem Thema beschäftigt sich auch der Beitrag vom 12. Juni 2013 im WDR Fernsehen.

Text: Gerlind Hector
Grafik: Sabrina Gröschke