Paris: MERCI, CHÉRIE!

5
5
5
5
5
5

Arbeiten für umsonst? Ein umtriebiges Ehepaar aus Paris hat damit kein Problem und zeigt den Fashionistas, wie sie Geld ausgeben können, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Denn im Charity-Laden Merci geht der komplette Gewinn an einen guten Zweck.

Es ist toll, viel Geld zu haben aber das Wichtigste im Leben ist es nicht“, sagt eine, die es wissen muss. Marie-France Cohen hat genug gescheffelt, um sich für den Rest ihres Lebens dem süßen Nichtstun zu widmen.
Anfang der 70er Jahre hat sie die Kindermodenfirma Bonpoint gegründet, weil sie damals für ihren eigenen Nachwuchs nichts Passendes fand. Bald brummte das Geschäft und heutzutage werden nicht nur die Sprösslinge von Brangelina, Bellucci und Co. in die Kleidchen und Höschen des Labels mit dem verschnörkelten Schriftzug gesteckt. “Nach 30 Jahren wussten mein Mann und ich, dass es Zeit für etwas Neues war und wir haben das Unternehmen verkauft“, so Marie-France. Nach Golfspielen oder Rosenzüchten war den beiden umtriebigen Parisern jedoch nicht. Mitten im angesagten Trendviertel Marais kaufte das Paar ein altes Fabrikgebäude und eröffnete im März 2009 das Merci, den ersten Charity-Laden von Paris.

Von Fashion bis Fahrradklingel

Auf insgesamt 1.500 Quadratmetern gibt es dort alles, was das Herz begehrt – von feiner Fashion bis zur klobigen Fahrradklingel, vom lässigen Hut bis zum Designerhocker. Auf den drei hellen und großzügig gestalteten Etagen kann man sich gut und gern tageweise aufhalten und zwischen Vintageteilen und nagelneuer Ware stöbern. Wer mag, kann sich zwischendurch im angegliederten Coffeshop einen frischgepressten Saft oder einen vitaminreichen Salat gönnen.
Denn Energie braucht man schon, um jede Ecke zu durchforsten und jede Impression, die das Merci bietet, mit allen Sinnen zu erfassen. Fast fühlt man sich wie in einer liebevoll eingerichteten Privatwohnung, in der die Bücher planlos ins Regal gestapelt und ein Kleid lässig über eine Schranktür geworfen wurde.
Unsere Inspiration waren die kleinen traditionellen britischen Shops, in denen man sich stets Willkommen fühlt“, schwärmt Marie-France und streicht sich über das straff zurückgebundene, graumelierte Haar. Übertriebene Eitelkeit ist nicht ihr Ding und über alle Maßen wichtig nehmen mag sie sich schon gar nicht. “Mein Mann Bernard und ich hatten viel Glück im Leben“, sagt sie nachdenklich. “Da war es irgendwann Zeit, ‘Merci’ zu sagen.
Klar, nomen est omen in diesem außergwöhnlichen Ladenkonzept. Denn der Clou an einem Charity Store ist schließlich die Uneigennützigkeit und die ist im Merci Programm. Vom Umsatz werden lediglich die laufenden Kosten abgezogen; der komplette Gewinn geht an verschiedene Hilfsprojekte. Besonders am Herzen liegt Marie-France und Bernard ein Fond, der Mütter in Madagaskar unterstützt.

Shoppen für den guten Zweck

Modemacher wie Stella McCartney, Kris van Assche, Paul Smith und einige mehr helfen kräftig mit und überlassen dem Merci regelmäßig Teile aus ihren Kollektionen; dabei verzichten sie sogar auf die eigene Marge. So viel Großzügigkeit wirkt ansteckend – auch auf die Kundschaft. Denn im Merci braucht niemand ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn er außer dem geplanten T-Shirt noch mit einem Kronleuchter, drei Paar Kinderschuhen und einem aufblasbaren Gummitier an der Kasse landet. Man tut das schließlich alles für einen guten Zweck…
Beim Rausgehen fühlt man sich dann promt wie das hauseigene Laden-Maskottchen: Der direkt vor dem Eingang postierte knallrote Cinquecento ist bis übers Dach vollbeladen mit allerlei Kram und wirkt wie kurz vor dem Zusammenbruch unter all der Last. So wie man selber nach dem ausgiebigen Shoppping Trip. Aber ein Blick auf das Nummernschild beruhigt schnell die Nerven: “Merci“!

Loading
Center map
Traffic
Bicycling
Transit
Google MapsGet Directions

Merci

Boulevard Beaumarchais 111, 75003 Paris
T +33 (0)1 42770033
www.merci-merci.com

Öffnungszeiten:
Mo.-Sa. 10.00-19.00 Uhr