Pfui PFOA: Lob oder lächerlich?

Der Outdoor-Hersteller Jack Wolfskin will bis zum Jahr 2020 komplett auf Schadstoffe verzichten und transparenter werden. Das ist zunächst mal ein großes Lob wert, denn Flourchemie ist beispielsweise ein wichtiger Bestandteil beim Thema Outdoor-Mode. Schmutzabweisend, wasserfest und – wenn’s geht – auch knitterfrei, das sollen die Allwetterjacken und -hosen des Idsteiner Unternehmens sein und da will auch der Kunde keine Abstriche machen. Also werden bislang Flourkarbone (PFC) eingesetzt um all’ die schönen Qualitätsmerkmale zu gewährleisten. Nach Alternativen wird nun gemeinsam mit dem Helmholtz-Zentrum Geesthacht sowie der Hochschule Fresenius gesucht. Bei Jack Wolfskin ist man derweil optimistisch und plant bis 2016 die halbe Kollektion PFC-frei anbieten zu können. Aktuell sind es lediglich traurige 5%.
Bis zum Ende dieser Dekade sollen darüber hinaus sämtliche Einsatzstoffe „vollständig transparent“ sein. Was wiederum stutzig macht. Denn was bitte steckt noch alles in unserer superleichten und extrem atmungsaktiven Regenjacke? Auf giftige Perflouroktansäure (PFOA) verzichtet Jack Wolfskin laut eigenen Angaben ab der kommenden Herbst/Winter-Kollektion 2013. Sollen wir uns darüber freuen? Spätestens seit 1981 ist eigentlich bekannt, dass PFOA, das übrigens auch bei der Herstellung von Teflon verwendet wird, schwer gesundheitsgefährdend ist. Seinerzeit wurde in einer internen Studie aufgezeigt, dass Kinder von DuPont-Arbeiterinnen, die mit diesem Stoff in Verbindung kamen, häufiger unter Missbildungen litten. PFOA ist außerdem krebserregend und wirkt sich negativ auf Leber, Immunsystem und die Fortpflanzungsorgane aus. Alles nichts Neues!
Sollen wir jetzt also jubeln und den Idsteinern ihre berühmte Tatze schütteln? Wohl kaum, denn auch wenn die PR-Abteilung von Jack Wolfskin hier ganze Arbeit geleistet hat und betont, dass man der erste Outdoor-Hersteller sei, der sich zu einem PFC-Ausstieg bekennt, so bleibt doch ein bitterer Beigeschmack. Vielleicht greifen wir mindestens bis zum Jahr 2020 bei unseren Wanderausflügen doch lieber wieder zum guten Wollpulli und dem ollen Friesennerz!