Schmuck für Herz und Verstand

Gold, Silber, Edelsteine – wer schönen Schmuck liebt und geichzeitig nachhaltig konsumieren will, hat’s nicht leicht. Man denke nur an die berühmt-berüchtigten Blutdiamanten oder schlimme Arbeistverhältnisse in bolivianischen Silberminen.
Silke Knetsch und Christian Streit, gelernte Goldschmiede und Schmuckdesigner, sind wahre Liebhaber edelester Materialien und haben sich über dieses Dilemma bereits vor Jahren den Kopf zerbrochen – und eine Lösung gefunden. Von Anfang an haben sich die beiden „Schmuckler“, die sich während eines Studienaufenthaltes in Barcelona kennengelernt haben, sehr genau überlegt, woher sie ihre Materialien beziehen, die unbedingt nachhaltig aber auch edel-luxuriös sein sollten.

MP_R016Auf zum Entern – Mary Read, populäre Piratin des 17. Jahrhunderts, hätte diesen Ring in Ehren gehalten.

Kein leichtes Unterfangen. Viel Recherche und eine intensive Beschäftigung mit Materialkunde & Co waren da vonnöten. Es hat sich gelohnt: Mit ihrer neuesten Linie Materia Prima konzentrieren sich Knetsch&Streit nun voll und ganz auf das „weiße Gold“, also Porzellan – und zwar in Kombination mit recyceltem Silber.
Wir haben die Welt der Porzellanmalerei für uns wiederentdeckt und neu interpretiert!“, schwärmt Silke Knetsch, die es geschafft hat, ihren Partner in ihre lauschige Heimat Freiburg zu locken, um hier ein kleines Atelier zu eröffnen.
Die Ergebnisse von Materia Prima sind individuell, außergewöhnlich und durchaus luxuriös. Ringe, Ketten oder Manschettenknöpfe – die Auswahl ist absichtlich überschaubar, denn sie soll besonders bleiben. Zudem werden sämtliche Stücke in der eigenen Werkstatt von Hand hergestellt.

MP_N033 Lass Blumen sprechen! Jeder Pinselstrich muss hier sitzen.

Das verwendete Feinsilber für den Guss stammt von einer Silberscheideanstalt in Pforzheim und ist zu 100% aus recycelten Silberabfällen hergestellt“, betont Silke Knetsch. „Die Porzellanplättchen kommen aus der traditionsreichen Manufaktur ‘König Porzellan’ in Thiersheim.
Da Porzellan durchaus zerbrechlich ist, muss mit ruhiger Hand sorgfältig und genau gearbeitet werden. Wenn Katharina Kiraly, die Frankfurter Porzellanmalerin – ja, diesen Beruf gibt es tatsächlich noch – mit ihrer Arbeit fertig ist, ist Punzen und Hämmern angesagt. Denn geklebt wird bei Silke Knetsch und Christian Streit nichts. Klassische Handwerkskunst ist ihre Leidenschaft und ausgefallenes Design offenbar auch. Das Repertoire reicht von Ringen mit Piratenflaggen-Motiv, Kettenanhängern mit zart aufgemalten Rosenblüten bis hin zu Manschettenknöpfen mit pechschwarzen Raben.

MP_C019 In der Antike als göttliches Tier verehrt – hier wirkt der Rabe als markantes Manschettenknopf-Motiv.

Das Ziel, klassisches und lokales Handwerk zu pflegen und nicht auf edlen Luxus zu verzichten, ist ein echter Spagat, den die beiden (Wahl-)Freiburger elegant bewältigen. Mittlerweile werden ihre besonderen Unikate in Conceptstores in Florenz, Zürich und Tokyo verkauft. Außergewöhnliches spricht sich eben rum. Denn auch wenn Knetsch&Streit nicht wie Rumpelstilzchen Stroh zu Gold spinnen, so kreieren sie doch aus Silber und Porzellan großartige Schmuckstücke, die statt Prunk und Protz lieber auf traditionelles Handwerk mit Charakter setzen.

 

Text: Gerlind Hector