„Tolle Kleider, für die niemand leiden muss!“

Nicole_Noli

Nicole Noli hat sechs Jahre als Bilanzbuchhalterin und zehn Jahre als freiberufliche Unternehmensberaterin gearbeitet, bevor sie im April 2012 den veganen Boutique „DearGoods“ in München eröffnet hat. Inzwischen führt sie drei Läden in München und Berlin. Mit Kathrin Hollmer sprach sie darüber, wie es sich anfühlt, das zu tun, was einen mit Leidenschaft erfüllt und was die Münchner von den Berlinern noch lernen können.

Wann und wie entstand die Idee, einen Laden für nachhaltige Mode zu eröffnen?
Ich lebe schon die Hälfte meines Lebens vegetarisch und verfolge schon lange Blogs wie Veggie Love von Franziska Schmid. Dort habe ich viele tolle Produkte entdeckt, die ich selbst gerne haben wollte, die man aber zum Teil nur schwer beziehen konnte. Im November 2011 wurde ein schöner Laden in meiner Nachbarschaft frei. Zuerst wollte ich ein veganes Café eröffnen, aber die Idee, vegane Mode- und Lifestyle-Produkte anzubieten, fand ich noch spannender.

Wie ging es dann weiter?
Im April darauf habe ich meinen ersten Laden eröffnet, bereits im Juli wurde mir ein Laden in Berlin angeboten, direkt zwischen dem ersten veganen Supermarkt Veganz und dem ersten rein veganen Schuhladen Avesu. Ein Laden in Berlin war zwar ein Traum, aber ich dachte, das kann ich frühestens nach ein paar Jahren umsetzen. Die Möglichkeit an diesen „veganen“ Standort in Berlin zu gehen und dort mit den Vorreitern der veganen Szene die erste vegane Shoppingmeile Europas zu gestalten, war aber zu verlockend. Noch vor der Eröffnung in Berlin im Oktober 2012 kam ich in München an einem Laden in der Baaderstraße vorbei, der mir schon länger gefallen hat. Plötzlich stand „Zu Vermieten“ an der Tür. Der Hausverwaltung gefiel das Konzept, die Miete war einigermaßen erschwinglich, so habe ich am im Dezember meinen dritten Laden eröffnet.

Das Motto der „DearGoods“-Läden ist „Animal Human Ecofriendly“. Was bedeutet das konkret?
Das sind andere Begriffe für Vegan, Fairtrade und Öko. „Vegan“ bringt man meistens mit Ernährung in Verbindung, weniger mit Mode. Essen und Kleidung braucht jeder Mensch täglich, für deren Herstellung müssen leider überwiegend Tiere leiden, andere Menschen werden ausgebeutet und die Umwelt wird belastet. Ich will zeigen, dass es tolle Kleidung gibt, für die niemand leiden musste.

Was kann man in Deinen Läden alles kaufen?
Es gibt Kleidung und Accessoires für Männer und Frauen. Die Sachen sind alltags-, büro- und partytauglich, von Businesshemden, T-Shirts, Jackets und Hosen für Männer bis hin zu Blusen, Kleidern, Hosen, Tanktops und Shirts für Frauen.

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Wie entscheidest Du, was in Deinen Läden verkauft wird und was nicht?
Die Sachen müssen unter Fairtrade-Bedingungen produziert, in Bioqualität oder aus Recycling-Materialien sein und es darf kein Material verwendet werden, für das ein Tier ein mieses Leben haben oder sterben musste. Bei den Produkten, die dann noch in Frage kommen, entscheide ich nach Style und Preis. Die Sachen müssen schön sein, sich gut anfühlen. Ich frage mich immer, ob ich es selbst tragen und kaufen würde. Mir ist auch sehr wichtig, dass der Preis stimmt.

Wie unterscheiden sich die drei Läden?
Der Laden in Berlin und der in der Baldestraße in München sind vom Sortiment und den Marken identisch. Im zweiten Münchner Laden in der Baaderstraße gibt es Kleidung, Taschen, Schuhe und auch Lifestyle-Produkte, zum Beispiel Radios aus Holz und Schalen aus recycelten Magazinen. Der Laden ist mehr eine Spielwiese, ein „Eco-Showroom“. Es soll eine Plattform für neue Designer und ihre Kollektionen sein.

Du hast zwei Läden in München und einen Berlin. Wie schaffst Du es, drei Läden – noch dazu in zwei verschiedenen Städten – zu managen?
Die ganze Organisation ist relativ schmal aufgestellt. Alle drei Läden gehören mir als Einzelfirma, das macht schon mal die Buchhaltung etwas einfacher. Ich kann wichtige Entscheidungen alleine treffen und muss diese nicht großartig abstimmen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich einfach nicht alles im Griff haben kann. Das fällt mir als Perfektionistin schon schwer. Ich sehe sehr oft Dinge, die ich noch verbessern oder schöner gestalten könnte, schaffe es aber zeitlich nicht immer. Die Schaufensterdeko bleibt schon mal einige Wochen unverändert. Da muss ich noch ein bisschen lockerer werden. Aber ich bin sehr zufrieden, ich habe ein ganz tolles Team, in dem alle die Philosophie von „DearGoods“ mittragen, das spürt man in den Läden.

Sind die Kunden in Berlin anders als in München?
In Berlin gibt es mehr vegan-orientierte Kunden und häufiger auch Touristen. Das kommt auch daher, dass der Standort in der veganen Szene international bekannt ist, durch die Nachbarschaft mit „Veganz“ und „Avesu“. Ansonsten ist das Publikum recht ähnlich bunt gemischt, wie auch hier in München.

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Wie hat sich das Angebot für nachhaltige Mode in Deutschland und München entwickelt?
In dem einen Jahr, in dem ich in der Ökomodebranche unterwegs bin, habe ich beobachtet, dass immer mehr Öko-Labels dazukommen und Öko-Modeläden aufmachen, auch in München wird der vegane Aspekt wichtiger, das ist für mich ein großer Vorteil, weil ich neuen Labels eine Plattform geben kann.

Arbeitest Du mit den anderen nachhaltigen Shops in München zusammen?
Ich habe noch nicht alle Betreiber kennengelernt, nur einige davon. In den kommenden Monaten würde ich gerne einen gemeinsamen Flyer gestalten, auf dem jeder nachhaltige Shop in München zu finden ist. Ich will den Leuten eine konkrete Übersicht geben, wo sie in München mittlerweile mit gutem Gewissen einkaufen können.

Wie viel muss München in Sachen Nachhaltigkeit noch von Berlin lernen?
Es gibt einen riesen Unterschied in Sachen Mut. In Berlin tragen die Leute viel häufiger ausgefallene Outfits, häufig auch Second-Hand-Klamotten. Die Persönlichkeit wird in Berlin viel mehr und viel selbstverständlicher über die Mode zum Ausdruck gebracht. München kommt dagegen sehr zurückhaltend und einheitsbreiig daher. Auf große Marken wird in München viel Wert gelegt. Ich wünsche mir für München mehr Mut – mehr Mut zum eigenen Stil und zu Spaß an Kleidung und weg von dieser Marken-Fixiertheit. Und auch mehr Mut, für neue Marken Geld auszugeben.

Planst Du noch weitere Läden?
Im Moment will ich meine ganze Energie in meine drei Läden stecken. Gerade entsteht ein kleiner vierter Laden: ein Onlineshop. Klein deshalb, weil es dort nur einen Teil des Sortiments geben wird. Und ich will es genießen, dass ich beruflich etwas machen darf, wohinter ich voll und ganz stehe.

Vielen Dank für das Gespräch!

Fotos: Dear Goods
Dieses Interview wurde erstmals bei www.ligastudios.com veröffentlicht

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